Stadtblick: Ole Plöhn & Christina Wittbrock
Veröffentlicht am 29.09.2026
Ole Plöhn und Christina Wittbrock sind ein Paar und gemeinsam in der Gastronomie tätig. Bekannt ist Ole Plöhn vor allem als Betreiber der „Banane“ im Herzen Vechtas, sowie auf dem Stoppelmarkt.
Mit dem Kleinen Wirtshaus in Lohne haben die beiden zuletzt ein weiteres Projekt gestartet und einem ehemaligen Lokal neues Leben eingehaucht. Gleichzeitig wurde die „Banane“ auf dem Stoppelmarkt zum XXL-Zelt ausgebaut.
Wenn Sie Ihr letztes Jahr in drei Worten beschreiben müssten: Welche wären es?
Ole: GRÖSSER, BUNTER, LAUTER.
Und wahrscheinlich würde „weniger Schlaf“ auch noch ganz gut passen. Aber das wären dann ja schon vier Worte. Wir haben im vergangenen Jahr an vielen Stellen ordentlich eine Schippe draufgelegt – mit dem Kleinen Wirtshaus, der XXL-Banane auf dem Stoppelmarkt und unserem Eventbereich. Es war turbulent, manchmal völlig verrückt, aber vor allem unglaublich spannend.
Sie haben mit dem „Kleinen Wirtshaus“ in Lohne ein neues Kapitel aufgeschlagen und gleichzeitig die Banane auf dem Stoppelmarkt deutlich vergrößert. Wie viel Schlaf ist dabei eigentlich noch übrig geblieben?
Ole & Christina: Deutlich weniger als zu der Zeit, als wir „nur“ einen Laden hatten. Gerade rund um die Eröffnung des Kleinen Wirtshauses und während der Vorbereitung auf den Stoppelmarkt musste man sich daran gewöhnen, dass Schlaf zeitweise eher ein Luxusgut ist. Da gab es durchaus Nächte, in denen ein paar Stunden reichen mussten, bevor morgens das Telefon wieder klingelte und die nächste Baustelle auf einen wartete. Irgendwann funktioniert man dann wahrscheinlich aus einer Mischung aus Adrenalin, Kaffee und dem Gedanken: „Das kriegen wir jetzt auch noch irgendwie hin.“
Aber solche Phasen gehören wohl dazu, wenn man neue Projekte startet. Und wenn man anschließend sieht, dass sich die Arbeit gelohnt hat, vergisst man erstaunlich schnell, wie müde man eigentlich war.
Ole, Sie sind in Vechta mit der Banane bereits etabliert. Warum war für Sie der Schritt nach Lohne genau zum richtigen Zeitpunkt interessant?
Ole:
Wir sind damals über unseren Vertreter auf das Objekt aufmerksam geworden. Eigentlich war zunächst gar nicht geplant, direkt das nächste große Projekt zu starten. Aber als wir uns das Gebäude und den Außenbereich angeschaut haben, haben wir relativ schnell das Potenzial gesehen.
Dann begann das typische Spiel: Erst sagt man „Wir schauen es uns einfach mal an“, kurz danach beschäftigt man sich plötzlich jeden Abend mit Konzepten, Speisekarten, Umbauten und Zahlen.
Uns war schnell klar, dass wir nicht einfach eine zweite Banane eröffnen wollten. Lohne brauchte aus unserer Sicht ein eigenes Konzept, das zum Standort und zum Gebäude passt. So entstand nach und nach die Idee vom Kleinen Wirtshaus.
Am Ende haben wir uns ganz bewusst dazu entschieden, dieses Projekt umzusetzen – und aus einem „Wir schauen mal“ wurde dann relativ schnell: „Okay, wir machen das jetzt.“
Christina, Sie unterstützen Ole in Lohne. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Lebensgefährten und Geschäftspartnern? Gibt es klare Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit
Christina: Die Zusammenarbeit funktioniert – aber wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, dass sie immer völlig harmonisch und unkompliziert ist.
Wenn man gemeinsam ein Unternehmen führt, verschwimmt die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit automatisch. Dann wird beim Frühstück über Dienstpläne gesprochen, beim Autofahren über Rechnungen und abends auf dem Sofa fällt einem plötzlich ein, dass noch irgendjemand zurückgerufen werden muss.
Trotzdem haben wir inzwischen eine ganz gute Aufteilung gefunden. Ole hat seinen Schwerpunkt stärker bei der Banane und im Eventbereich, während mein Fokus vor allem auf dem Kleinen Wirtshaus sowie auf Organisation, Personal und Zahlen liegt.
Dadurch können wir uns gegenseitig ergänzen, ohne jeden einzelnen Bereich gemeinsam entscheiden zu müssen. Und tatsächlich schaffen wir es inzwischen sogar hin und wieder, ein Privatleben dazwischenzuquetschen – zumindest so lange, bis das nächste Telefon klingelt.
Die frühere „Kleine Kneipe“ wurde zum „Kleinen Wirtshaus“ umgebaut. Das Konzept setzt auf bayerisch geprägte, gutbürgerliche Küche und einen Biergarten. Die Stadt Lohne förderte das Projekt mit 10.000 Euro.
Was hat Sie an genau diesem Standort gereizt?
Ole & Christina: Ganz klar das Objekt selbst. Das Gebäude hat unglaublich viel Charme und bringt eine Geschichte mit, die man nicht künstlich erschaffen kann. Wir wollten deshalb auch gar nicht versuchen, daraus etwas komplett Neues und Hochmodernes zu machen, sondern den Charakter des Hauses erhalten und gleichzeitig etwas Eigenes daraus entwickeln.
Dazu kommt der Außenbereich, der für unser Konzept natürlich perfekt ist. Gerade im Sommer wollten wir einen Ort schaffen, an dem man gemütlich sitzen, essen, ein Bier trinken und einfach ein paar schöne Stunden verbringen kann.
Auch die Lage hat uns überzeugt. Wir sind nicht direkt mitten in der Fußgängerzone, aber trotzdem zentral gelegen und gut erreichbar.
Es ist eben ein altes Objekt mit Ecken, Kanten und ganz viel Charme – und genau das macht es für uns besonders.
Die Banane bekam 2026 ein neues XXL-Festzelt auf dem Stoppelmarkt. Das bisherige Konzept soll dabei größer gedacht werden, mit mehr Platz, Dekoration, Aktionen und Programm.
Der Stoppelmarkt ist vorbei. Wenn Sie jetzt zurückblicken: Wie zufrieden sind Sie mit der ersten XXL-Banane?
Ole & Christina: Sehr zufrieden.Natürlich geht man nach dem ersten Jahr mit so einem komplett neuen Konzept mit einer ziemlich langen Liste nach Hause, auf der steht: „Das machen wir nächstes Jahr anders.“ Aber insgesamt wurde die XXL-Banane wirklich hervorragend angenommen. Besonders gefreut hat uns das viele positive Feedback zum Programm. Wir hatten bewusst viel Live-Musik eingebaut und wollten, dass im Zelt über den gesamten Stoppelmarkt hinweg immer etwas passiert.
Was uns außerdem besonders stolz gemacht hat, war unser Team. Bei einem Zelt dieser Größe funktioniert nichts ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und das hat wirklich außergewöhnlich gut funktioniert.
Natürlich haben wir trotzdem viel gelernt. Von der Personalplanung über Abläufe hinter den Theken bis hin zu der Frage, an welchen Tagen welche Liveband am besten funktioniert.
Aber genau dafür ist das erste Jahr da. Im nächsten Jahr wissen wir an vielen Stellen schon deutlich besser, wo wir noch ein bisschen an den Stellschrauben drehen können.
Wer von Ihnen beiden ist eher der Bauchmensch und wer derjenige, der sagt: Moment, lass uns erst einmal rechnen?
Ole & Christina: Das ist ziemlich eindeutig verteilt.
Ole ist definitiv der Bauchmensch. Wenn er eine Idee gut findet oder das Gefühl hat, dass etwas funktionieren kann, würde er am liebsten sofort loslegen. Außerdem ist er ganz klar der „gute Chef“. Wenn ein Mitarbeiter ein Problem hat oder Unterstützung braucht, versucht Ole meistens irgendwie eine Lösung zu finden – selbst dann, wenn die betriebswirtschaftlich vielleicht nicht immer die eleganteste ist.
Christina ist da eher das Gegenstück: Erst einmal rechnen, Zahlen anschauen und prüfen, ob aus einer guten Idee auch eine gute Entscheidung werden kann.
Das sorgt natürlich gelegentlich für Diskussionen – ist wahrscheinlich aber gleichzeitig einer der Gründe, warum die Kombination ganz gut funktioniert. Der eine drückt aufs Gas, die andere schaut zwischendurch, ob überhaupt noch genug Benzin im Tank ist.
Gibt es Dinge, bei denen Sie beruflich komplett unterschiedliche Vorstellungen haben?
Ole & Christina: Bei der grundsätzlichen Richtung eigentlich erstaunlich selten. Unsere Vorstellungen davon, wo wir mit den Unternehmen hinwollen und welche Art von Gastronomie wir machen möchten, gehen ziemlich klar in dieselbe Richtung.
Spannender wird es meistens bei der Umsetzung.
Das Ziel ist also häufig identisch – nur über den Weg dorthin können wir durchaus sehr unterschiedliche Vorstellungen haben.
Dann gibt es auch mal Diskussionen darüber, ob etwas sofort umgesetzt werden muss, ob man lieber noch einmal eine Nacht darüber schläft oder ob man vielleicht doch erst eine Excel-Tabelle braucht.
Am Ende findet man meistens irgendwo in der Mitte die beste Lösung.
Was kann Christina besser als Ole und was kann Ole besser als Christina?
Ole & Christina: Christina ist definitiv strukturierter und direkter. Sie hat viele Dinge gleichzeitig im Kopf, koordiniert Personal, Zahlen und organisatorische Themen und behält dabei meistens den Überblick über das große Ganze.
Wenn irgendwo Zahlen nicht stimmen, eine Rechnung fehlt oder organisatorisch etwas durcheinanderläuft, dauert es meistens nicht besonders lange, bis sie es merkt.
Ole wiederum ist einfach Ole.
Er ist ein absoluter Menschenmensch und trifft viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus – gerade wenn es um seine Mitarbeiter geht. Er hört sich Probleme an, findet Lösungen und schafft es, Menschen für Projekte zu begeistern.
Das Team zusammenzuhalten und eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Leute gerne arbeiten, ist definitiv eine seiner größten Stärken. Kurz gesagt: Christina hält den Laden organisatorisch zusammen – und Ole häufig die Menschen darin.
Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückblicken: Was macht Sie am meisten stolz?
Ole & Christina: Vor allem die Entwicklung. Wenn wir anschauen, was innerhalb relativ kurzer Zeit entstanden ist, ist das schon ein besonderes Gefühl. Aus einem Gastronomiebetrieb sind inzwischen mehrere Bereiche geworden: die Banane, das Kleine Wirtshaus, die große Präsenz auf dem Stoppelmarkt und unser Event-Service.
Uns macht dabei weniger eine einzelne Zahl oder ein einzelner erfolgreicher Abend stolz, sondern vielmehr die Grundlage, die wir inzwischen geschaffen haben.
Wir haben das Gefühl, dass wir uns ein Fundament aufgebaut haben, mit dem wir in den nächsten Jahren weiterarbeiten können.
Und wahrscheinlich ist genau das der schönste Gedanke: Wir sind noch lange nicht fertig – aber wir müssen auch nicht mehr ganz von vorne anfangen.
Wo sehen Sie sich und Ihre Projekte in drei Jahren?
Ole & Christina: Beim Wachstum möchten wir tatsächlich gar nicht unbedingt noch viel größer werden. Mit der Banane, dem Kleinen Wirtshaus und unserem Event-Service haben wir inzwischen drei Bereiche, die uns genug Möglichkeiten bieten.
Wenn wir wachsen möchten, dann am ehesten noch im Event-Service. Dort sehen wir definitiv noch Potenzial.
Bei unseren gastronomischen Betrieben soll es dagegen in den kommenden Jahren eher darum gehen, viele kleine Dinge immer ein bisschen besser zu machen: Abläufe optimieren, Angebote weiterentwickeln, Veranstaltungen verbessern und die vorhandenen Konzepte festigen.
Nach den letzten Jahren darf es also ruhig einmal heißen: nicht unbedingt größer – sondern besser.
Wobei wir uns bei Ole mit neuen Ideen wahrscheinlich nie zu hundert Prozent darauf verlassen sollten.
Zum Schluss ganz spontan: Was ist für Sie persönlich Erfolg?
Ole & Christina: Erfolg bedeutet für uns nicht unbedingt, den größten Laden zu haben oder immer das nächste Projekt zu starten.
Erfolg ist für uns, einen Ort geschaffen zu haben, an dem Menschen gerne zusammenkommen.
Wenn Gäste nach einem Abend bei uns nach Hause gehen und sagen: „Das war richtig schön“, dann ist das wahrscheinlich das größte Kompliment, das man in der Gastronomie bekommen kann.
Ob das nach einem Essen im Kleinen Wirtshaus, einem Abend in der Banane oder nach sechs Stunden Feiern im Festzelt auf dem Stoppelmarkt ist, spielt dabei eigentlich keine Rolle.
Am Ende verkaufen wir schließlich nicht nur Essen oder Getränke.
Wir schaffen Orte, an denen Menschen miteinander Zeit verbringen, Geschichten erleben und Erinnerungen mit nach Hause nehmen.
Und wenn uns das gelingt, dann ist das für uns Erfolg.
Foto: Stadt Lohne





