Ein neuer Propst für Vechta

Ein neuer Propst für Vechta

Veröffentlicht am 01.12.2025


Christoph Schwerhoff über Glaube, Gemeinschaft und die Herausforderungen der Kirche


Nach längerer Vakanz hat Vechta wieder einen neuen katholischen Propst: Christoph Schwerhoff. Der 40-Jährige, der zuvor als Kaplan in Kevelaer und als Schulseelsorger tätig war, leitet nun die Pfarrgemeinden St. Georg, Maria Frieden und Oythe - und damit ein großes Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

"Mädchen für alles" mit neuer Verantwortung

Für Schwerhoff ist die neue Aufgabe eine Premiere - seine erste leitende Position. "Bisher war ich immer jemandem untergeordnet", sagt er mit einem Schmunzeln. "Jetzt zeigen die Leute auf mich, wenn etwas schwierig wird." Als Propst ist er für die pastorale Leitung der Pfarrgemeinden verantwortlich und kümmert sich um das Miteinander der Gremien, Mitarbeitenden und Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Hochschulseelsorge und Bücherei. Genaue Zahlen nennt er noch nicht: "Das muss ich mir erst einmal alles anschauen - das Team ist groß."

Mit 40 Jahren ist er vergleichsweise jung für dieses Amt - und das bleibt auch in Vechta nicht unbemerkt: "Viele sagen mir: Oh, jetzt haben wir einen jungen Propst!"

Vom Verwaltungsbeamten zum Priester

Dass Schwerhoff einmal Priester werden würde, war nicht immer absehbar. In seiner Jugend hatte er kaum Kontakt zur Kirche. Nach einer Ausbildung bei der Stadtverwaltung Bonn merkte er, dass dieser Weg ihn nicht erfüllte. "Ich habe Menschen kennengelernt, die in sich ruhten, die glücklich waren. Und ich fragte mich: Warum sind die so glücklich?" Eine ältere Frau brachte ihm das stille Gebet bei - ein Schlüsselmoment. "Da habe ich gespürt: Das verändert dich positiv."

Heute versteht er "Berufung" als eine ganz persönliche Suche nach dem eigenen Weg - nicht jeder sei zum Priester berufen, aber jeder habe etwas, das ihm Sinn gibt.

Kirche attraktiv machen - besonders für Junge

Als große Herausforderung sieht er die Zukunft der Kirche. "Wir müssen Kirche so gestalten, dass Menschen sie wieder attraktiv finden - vor allem junge." Die gesellschaftlichen Umbrüche und Krisen führten dazu, dass viele wieder nach Halt suchten. "Da kann der Glaube Orientierung geben", sagt Schwerhoff. Gerade junge Menschen seien neugierig, oft mit existenziellen Fragen: "Wie komme ich wieder an meinen Glauben heran? Ich habe aufgehört zu beten - aber mir fehlt das." Seine Erfahrung zeigt: Das Interesse ist da, wenn man die Botschaft verständlich und lebendig vermittelt.

Trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz setzt Schwerhoff auf persönliche Nähe. "Ich glaube, Menschen finden über Beziehungen zum Glauben. Face-to-face, ehrlich, echt - das kann keine KI ersetzen."

So möchte er auch den Kontakt zu den Menschen in Vechta gestalten: offen, zugewandt, neugierig. "Mich fasziniert, was andere tun. Und vielleicht entsteht daraus ein Dialog über das, was trägt."

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Ein großes Anliegen ist ihm die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen. "Die Gremien sind ehrenamtlich besetzt und bestimmen die Richtung mit. Ich bin nicht der, der allein sagt, wo es langgeht." Das vergleicht er mit der Kommunalpolitik: "Der Stadtrat gibt die Richtung vor, der Bürgermeister führt aus - ähnlich sehe ich das hier."

Auch wenn er vom Bischof ernannt wurde - auf Lebenszeit, wie er betont -, empfindet Schwerhoff seine Aufgabe als sehr frei. "Ich kann gestalten, Ideen einbringen, in Predigten erzählen, was mich bewegt. Das ist ein großes Privileg."

Neue Pfarrer werden heute in der Regel nur noch für sechs Jahre ernannt, mit Option auf Verlängerung. "Ich bin da noch durchgerutscht", sagt er mit einem Augenzwinkern. Gleichzeitig hält er die neue Regelung für sinnvoll: "Nach zwölf Jahren tut ein Wechsel manchmal auch gut - für beide Seiten."



Gemeinschaft als Herz des Glaubens

Für Schwerhoff ist der Glaube ohne Gemeinschaft undenkbar. "In Corona habe ich gemerkt, wie seltsam es ist, allein im Raum zu sitzen. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zusammenzuführen." Das spüre man besonders in der Begegnung: beim Seniorenkaffee nach der Messe, im Gespräch, im ehrlichen Interesse am anderen. "Das ist etwas, das keine Technik ersetzen kann."

Eine "lebendige Gemeinde" entsteht für ihn dort, wo Menschen sich wirklich begegnen - in der Liturgie, in der Musik, im sozialen Engagement. "Wenn im Pfarrbüro jemand die Tür aufmacht und freundlich lächelt, dann spürt man: Hier lebt Kirche."

Gemeinsam für Vechta

In Zukunft möchte der neue Propst verstärkt die Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und sozialen Einrichtungen suchen. "Mir geht es darum, dass wir gemeinsam für Vechta unterwegs sind - für die Menschen hier."

Die katholische Kirche habe, trotz sinkender Bindungskraft, noch immer eine wichtige Rolle, betont er. "Wenn man sieht, was Einrichtungen wie die Caritas oder das Andreaswerk leisten – das ist beeindruckend." Kirche solle keine Machtposition mehr anstreben, sondern zeigen: "Wir tun Gutes - aus dem Glauben heraus."

Schwerhoff beschreibt Vechta als "städtisch, offen und lebendig". Besonders die Nähe zur Universität sieht er als Chance: "Ich bin gespannt auf die Hochschulseelsorge und den Kontakt zu jungen Leuten. Ich will einfach hingehen und sehen, was passiert."

Mit spürbarer Freude und Offenheit blickt er auf seine neue Aufgabe: "Ich glaube, dass Kirche dann lebendig ist, wenn sie mitten unter den Menschen ist - ehrlich, interessiert, zugewandt."

Foto: St. Mariä Himmelfahrt Vechta


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